Daniel Kehlmann – Lichtspiel (Hörspiel mit u.a. Thomas Loibl und Aenne Schwarz)

„Guten Abend ihr Mad’ln, servus, die Buam, danke, liebe Gäste, bleiben Sie alle recht schön gesund“, verabschiedet TV-Moderator Heinz Conrads an einer Stelle in 'Lichtspiel' sein Publikum. Dem kann ich mich nachher anschließen, möchte aber alle erst einmal herzlich zu meinem Text über das Hörspiel nach der Vorlage von Daniel Kehlmann begrüßen. In diesem Sinne: Film ab!

In der Mitte das Hörspiel zu 'Lichtspiel' auf einem Handy eingerahmt vom Hörbuch auf CDs

Autor Daniel Kehlmann geht seine Arbeit bei 'Lichtspiel' wie schon in früheren Werken an. Rund um eine historische Persönlichkeit strickt er mit selbstausgedachten Szenen, Gedanken und Gesprächen eine Geschichte, die mehr ist als die Summe ihrer Teile. Hier geht es nicht um die korrekte Wiedergabe der Vergangenheit, sondern vielmehr um Ableitungen auf die Gegenwart und Zukunft.

Hörspiel zwischen Licht und... Finsternis des III. Reichs

Thema ist dieses Mal der Regisseur Georg Wilhelm Pabst, kurz G.W. genannt (und im Hörspiel von Thomas Loibl gesprochen). Unfreiwillig wird er Ende der Dreizigerjahre für die Propaganda-Maschinerie der Nationalsozialisten eingespannt. Sich dem zu entziehen, ist kaum möglich.

Zum Beispiel nimmt Henny Porten (gesprochen vonTheresa Sophie Albert), die in einem seiner Filme mitspielt, seine Frau Gertrude (gesprochen von Aenne Schwarz) in den Lesekreis einer „feinen“ Gesellschaft mit. Bloß da die Damen gar nicht so fein miteinander umgehen. Jedes falsche Wort kann zum Rauswurf oder gar Schlimmeren führen.

Und so schwankt G.W. Pabst innerlich zwischen Abwehr und Ignoranz der Verhältnisse, Freude über seine Möglichkeiten und Mitläufertum, Licht und Schatten ...

Großes Kino für die Ohren

Natürlich trifft Pabst in der Zeit und entsprechend im Hörspiel auf große Namen: Bibiana Beglau spricht zum Beispiel Leni Riefenstahl, Valery Tscheplanowa die Schauspielerin Greta Garbo. Erzählt wird die Geschichte vom fiktiven Regieassistenten Franz Wilczek (gesprochen von Erwin Leder).

Für seine Adaptation hat Regisseur Sebastian Stern viel weggelassen. Dennoch kann sein Hörspiel mit dem Hörbuch, das Ulrich Noethen eingelesen hat, ganz gut mithalten. In Zeiten wie diesen kann es auch nicht schaden, die Botschaft auf verschiedenen Wegen zu transportieren: Nie wieder!

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