Volker Kutscher – Moabit (Hörspiel als Vorgeschichte zu 'Babylon Berlin')
Ab 10. September 2026 soll die finale Staffel von 'Babylon Berlin' online in der ARD-Mediathek verfügbar sein. Da passt es doch ganz gut, dass bei 'ARD sounds' das Hörspiel von 2018 zur Vorgeschichte der sympatischen „Ermittlerin“ Charlotte Ritter (gesprochen von Marleen Lohse) noch einmal wiederveröffentlicht wurde. Auch wenn die Inhalte etwas von der Serie abweichen, wird auch hier die Stimmung der wilden Zwanziger glänzend eingefangen: „Ein Tag Hörspiel wie Gold!“

Christian Ritter (gesprochen von Robert Gallinowski), der Vater von Charlotte, arbeitet als Oberaufseher im Gefängnis Moabit. Dort sitzt gerade Adolf Winkler (gesprochen von Arved Birnbaum) ein. Als Ritter den Chef des Ringvereins Berolina vor einem Mordanschlag im Knast rettet, nimmt eine verhängnisvolle Geschichte ihren Lauf, der auch das Leben von Charly verändert...
Alte Bekannte, wa?
Wer sich an die Verfilmung des ersten Romans erinnert, wird sich vielleicht über einige Abweichungen wundern. Zum Beispiel taucht hier auch Greta (gesprochen von Lisa Hrdina) als Charlottes Freundin auf. Ein Liedtext von Claire Waldoff, den sie mit Charly trällert, scheint dabei ihr selbstbewusstes Auftreten zu spiegeln: „O wie praktisch, o wie praktisch – ist die Berlinerin./ Heut’ ist schon jeder Backfisch, jeder Backfisch – eine Verdienerin.“
Allerdings wird Gretas Leben hier ganz anders beschrieben, obwohl diese Vorgeschichte 2017 ungefähr zeitgleich mit der Veröffentlichung der ersten TV-Staffel als Buch im Galiani-Verlag mit Zeichnungen von Kat Menschik herausgegeben wurde.
Erzählt wird hier auch, wie Charly von Wilhelm Böhm (gesprochen von Herbert Schäfer) einen Schreibjob bei der Mordkommission bekommt. Wie sich die beiden Interpretationen von Verfilmung und Buch gegenseitig beeinflusst haben, ist aber an dieser Stelle kein Thema.
Babylon Moabit: Text zu Bild zu Text zu Ton
Das Hörspiel weicht jedoch selbst auch noch vom Buch ab. So wird unter anderem die Reihenfolge der Kapitel aufgelöst und natürlich sind einige Passagen in wörtliche Rede oder Gedanken der Figuren „übersetzt“, um sie nicht als einfachen Erzähltext wiederzugeben.
Das für das direkt 2018 noch nachfolgende Hörspiel 'Der nasse Fisch' im Grunde alle Stimmen ausgetauscht wurden, ist etwas schade. Es könnte aber auch so gedacht sein, dass der verstrichenen Zeit von ca. zwei Jahren in der Handlung von 'Moabit' bis dahin Rechnung getragen werden sollte.
Jedenfalls wurden fürs Prequel die gerade mal 84 Seiten nach der Bearbeitung durch Thomas Böhm von Regisseur Thomas Leutzbach auf stimmige 54 Minuten verdichtet. Und nach diesen ersten Takten ist es schwer, sich dem Tanz auf dem Vulkan im 'Babylon Berlin' zu entziehen!
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