Der Hörold

ARDsounds

„Forderungsmanagement“ ist das einzige Wort, dass Sonja Slanski (gesprochen von Franziska Hartmann) auf der Rückseite ihrer Visitenkarte stehen hat. Da darf sie nicht zimperlich sein. Ist sie auch nicht. Doch wer sich mit den falschen Leuten einlässt, kann schnell im Abseits landen – oder im Jenseits, wie das Hörspiel nach dem Thriller von 'Davenport 160 x 90' von Sybille Ruge zeigt.

Beschreibung

Der seltsame Titel ist auch derjenige einer Instellation mit einem Tisch dieser Maße aus einem Baumarkt in einer Ausstellung von Luna (gesprochen von Dominika Hebel), die eines Tages bei Sonja auftaucht. Ausgestattet mit einer Handtasche der kürzlich verstorbenen Mutter von Sonja. Und mit einem Foto, das Mutti mit Luna Arm in Arm zeigt.

Damit weckt die irrlichternde Künstlerin direkt Sonjas Neugier. Bloß blöd, dass das junge Ding wenig später mausetot in Sonjas Wohnung liegt. Das wirft natürlich einige Fragen auf:

  • Ist Lunas Freund Chang (gesprochen von Beka Bediana) ausgetickt?
  • Hat Kunstprofessor Hirschheimer (gesprochen von Roland Silbernagl), bei dem Luna Meisterschülerin war, was damit zu tun?
  • War es eine Verwechselung und der Mann, den Sonja gerade als Fall für Catherine (gesprochen von Anna-Sophia Lumpe) bearbeitet hatte, war etwas mehr als nachtragend?
  • Oder war es ihre Auftraggeberin selbst, mit deren Mann (gesprochen von Nikolaus Benda) Sonja eine Affäre hat?

Hippes Hörspiel für Hartgesottene mit HipHop-Sound

Für ihre Version als Hörspiel hat Regisseurin Petra Feldhoff den Stoff von Sybille Ruge auf unter eine Stunde Spielzeit verdichtet. Für Ruges Debüt gab es vorher u.a. diverse Nominierungen und 2023 einen Friedrich-Glauser-Preis für den besten Erstlingsroman.

„In ihrem spektakulären Debütroman macht Sybille Ruge dem Zeitalter des Neoliberalismus den Garaus“, zitiert der Suhrkamp Verlag den WDR 1. Der Stil ist originell, aber gewöhnungsbedürftig. Sympathisch geht anders. Laut der Kritik von Kolja Mensing beim Deutschlandfunk hat die Autorin ihrer Geschichte „... einen Sound verpasst, in dem jeder Satz zum Baseballschäger werden kann.“

Fürs Hörspiel kommt dieser Sound von Disarstar. Sein Deutschrap von 2017 passt dazu wie die Faust aufs Auge: „K-A-P-I-T-A-L-I-S-M-U-S./ Komm mir bitte nicht mit Würde, es geht ums Geschäft./ Nur darum geht's. Die Finanzen bestimmen, wie du gerade lebst.“

An anderer Stelle wird ein zweiter Song aus seinem Album 'Minus x Minus = Plus“ eingespielt: „Wenn ich mich für Glück entscheid', ist das Leid geteilt./ Brauch' nur Rückenwind, bisschen Fleißarbeit./ Wenn ich einfach nicht mehr weiterweiß – hol' ich Feuer ausm Herz und verbrenn' den Scheiß.“

Da passt es, dass 'Davenport 160 x 90' bei ARDsounds in der Rubrik 'Knallhart' gelistet ist. So ganz sicher bin ich nicht, ob ich mich der Empfehlung von Die Presse aus Wien anschließen soll. Aber hört einfach selbst: „Wer sich darauf einlässt, wird belohnt.“

Offizielle Webseite: https://www.ardsounds.de/episode/urn:ard:episode:8aef1d3f309bd14d/

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Ab 10. September 2026 soll die finale Staffel von 'Babylon Berlin' online in der ARD-Mediathek verfügbar sein. Da passt es doch ganz gut, dass bei 'ARD sounds' das Hörspiel von 2018 zur Vorgeschichte der sympatischen „Ermittlerin“ Charlotte Ritter (gesprochen von Marleen Lohse) noch einmal wiederveröffentlicht wurde. Auch wenn die Inhalte etwas von der Serie abweichen, wird auch hier die Stimmung der wilden Zwanziger glänzend eingefangen: „Ein Tag Hörspiel wie Gold!“

Das Hörspiel auf dem Display eines Smartphones, das auf dem Buch “Moabit” von Volker Kutscher liegt

Christian Ritter (gesprochen von Robert Gallinowski), der Vater von Charlotte, arbeitet als Oberaufseher im Gefängnis Moabit. Dort sitzt gerade Adolf Winkler (gesprochen von Arved Birnbaum) ein. Als Ritter den Chef des Ringvereins Berolina vor einem Mordanschlag im Knast rettet, nimmt eine verhängnisvolle Geschichte ihren Lauf, der auch das Leben von Charly verändert...

Alte Bekannte, wa?

Wer sich an die Verfilmung des ersten Romans erinnert, wird sich vielleicht über einige Abweichungen wundern. Zum Beispiel taucht hier auch Greta (gesprochen von Lisa Hrdina) als Charlottes Freundin auf. Ein Liedtext von Claire Waldoff, den sie mit Charly trällert, scheint dabei ihr selbstbewusstes Auftreten zu spiegeln: „O wie praktisch, o wie praktisch – ist die Berlinerin./ Heut’ ist schon jeder Backfisch, jeder Backfisch – eine Verdienerin.“

Allerdings wird Gretas Leben hier ganz anders beschrieben, obwohl diese Vorgeschichte 2017 ungefähr zeitgleich mit der Veröffentlichung der ersten TV-Staffel als Buch im Galiani-Verlag mit Zeichnungen von Kat Menschik herausgegeben wurde.

Erzählt wird hier auch, wie Charly von Wilhelm Böhm (gesprochen von Herbert Schäfer) einen Schreibjob bei der Mordkommission bekommt. Wie sich die beiden Interpretationen von Verfilmung und Buch gegenseitig beeinflusst haben, ist aber an dieser Stelle kein Thema.

Babylon Moabit: Text zu Bild zu Text zu Ton

Das Hörspiel weicht jedoch selbst auch noch vom Buch ab. So wird unter anderem die Reihenfolge der Kapitel aufgelöst und natürlich sind einige Passagen in wörtliche Rede oder Gedanken der Figuren „übersetzt“, um sie nicht als einfachen Erzähltext wiederzugeben.

Das für das direkt 2018 noch nachfolgende Hörspiel 'Der nasse Fisch' im Grunde alle Stimmen ausgetauscht wurden, ist etwas schade. Es könnte aber auch so gedacht sein, dass der verstrichenen Zeit von ca. zwei Jahren in der Handlung von 'Moabit' bis dahin Rechnung getragen werden sollte.

Jedenfalls wurden fürs Prequel die gerade mal 84 Seiten nach der Bearbeitung durch Thomas Böhm von Regisseur Thomas Leutzbach auf stimmige 54 Minuten verdichtet. Und nach diesen ersten Takten ist es schwer, sich dem Tanz auf dem Vulkan im 'Babylon Berlin' zu entziehen!

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